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2. Preis beim Wettbewerb Erinnerungsort Neuaubing

Wir freuen uns sehr über den 2. Preis beim Wettbewerb "Erinnerungsort Zwangsarbeiter:innenlager Neuaubing" zusammen mit Prof. Helga Blocksdorf und Studio Miessen aus Berlin. Besonderen Glückwunsch an unsere Bearbeiter Annika Sailer, Marie Waller und Regine Keller.

Update 24.1.2022
Seit 22. Januar 2022 gibt es unter dem Titel "Departure Neuaubing. Europäische Geschichten der Zwangsarbeit" eine Online-Ausstellung des NS Dokuzentrums München über die 600 Zwangsarbeiter:innen des Lagers in München Neuaubing.

Wo kamen die Zwangsarbeiter:innen her? Wie lebten sie im Lager, wie arbeiteten sie? Was hat das für diese Menschen bedeutet? Was wurde aus den Zwangsarbeiter:innen nach der Befreiung?

Wettbewerbsaufgabe
"Auf dem Gelände der Ehrenbürgstraße 9 in München-Neuaubing sind noch acht Baracken eines ehemaligen Zwangsarbeiter:innenlagers erhalten, in dem während der NS‐Herrschaft etwa 500 bis 1.000 Zwangsarbeiter:innen verschiedener Nationalitäten untergebracht waren, die für das nahe gelegene Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) arbeiten mussten. Es handelt sich um das einzige noch erhaltene Lagerensemble dieser Art in Süddeutschland.

Heute zeichnet sich das Gelände durch eine besondere, seit Jahrzehnten gewachsene Vielfalt in den Nachnutzungen aus. Die verbliebenen Baracken werden von Künstler:innen und Handwerker:innen, einer privat betriebenen Kindertagesstätte und von der Kinder‐ und Jugendfarm genutzt. Viele der derzeitigen Nutzer:innen haben einen wichtigen Teil zum Erhalt des Geländes beigetragen.

Das Barackenensemble bzw. die einzelnen Baracken sollen denkmalschutzgerecht saniert werden. Das Freiflächenkonzept soll kommunikative, ausstellungsdidaktische, denkmalpflegerische, erschließungstechnische und ökologische Zielsetzungen in Einklang bringen."

Konzept
Neben der überlieferten Grundstruktur bestimmen weniger die individuellen Formen der Adaptionen und Anbauten an den einzelnen Gebäuden die historische Bedeutung des Gebiets. Vielmehr ist es die identitätsgebende Gesamtwirkung der extrem vorsichtigen, da unterbugdetierten Erhaltungsmaßnahmen mittels ihrer zwischenzeitlichen Nutzung durch Künstler und Künstlerinnen wie auch als Werkstätten oder durch einen initiativ bewirtschafteten Kindergarten.

Der Umgang mit der Frage nach der bewusst behutsam angelegten Sanierung wird als lebendiger Austausch zwischen den jetzigen und den zukünftigen Nutzer:innen, sowie dem federführenden Planer:innenteam erachtet. Hierzu ist Maßnahme für Maßnahme ein kollektiver Abwägungsprozess zu begleiten, der weder die Rekonstruktion noch die Überschreibung der einzelnen Baracken und ihren dazugehörigen Außenräumen bevorzugt. Erinnerung anstelle von Rekonstruktion, denn die zerstörende Kraft einer Wiederherstellung wird aus heutiger Sicht keinem mehrfach nutzbaren lebendigen Erinnerungsort gerecht.

Der teils durch Sukzessionsprozesse entstandene und sich künftig weiter verdichtende Vegetationsrahmen gibt in seinem Zentrum die „Lichtung“ frei, um die sich die Gebäude gruppieren. Deren räumliche Wahrnehmung verstärkt sich insbesondere dadurch, dass die Wege und auch ihre Beleuchtung auf das Notwendigste reduziert herausgearbeitet werden. Der „Dschungel“ der Jugendfarm von Norden bleibt als Sukzessionswald zwingend erhalten und wird als dichter Vegetationsrahmen um das Lager geschlungen.

Die zentrale, offene Platzfläche eröffnet als „Lichtung“ einen Raum zur visuellen Wahrnehmung der Architektur als auch für assoziative Gedanken zur Geschichte und Gegenwart des Ortes. Die selektive Entnahme von Gehölzen öffnet den Raum, während verbleibende Solitäre und lockere Blühwiesenansaaten im feinen Rieselbelag die Inbesitznahme des Ortes durch Natur - nunmehr symbolisch - verkörpern.

Ankommende werden ausgehend vom Plateau aus Rissbeton auf einem Band aus großformatigen Ortbetonplatten zum Eingang geleitet, an dessen Schwelle eine Wortintarsie den Zutritt zum Areal leise markiert. Angelehnt an die historische Erschließung weitet sich das Ortbetonband zur linear querenden Haupterschließung und Orientierungsachse des Erinnerungsortes. Begleitet wird die Achse durch ein Schotterband mit lockerer Blühwiesenansaat, dessen grobe Textur umfließt die Gebäude und erzeugt zwischen diesen und den Besuchenden eine subtile Distanz. In der „Lichtung“ verfeinert sich der Oberflächenbelag zu begehbarem Riesel - der Raum wird als Ganzes erfahr- und begehbar – das Gefühl der Distanz weicht dem der Aneignung des Ortes.

  • w21-04_erinnerungsort_neuaubing_rissbeton_plateau_keller_damm_kollegen.jpg Der Vegetationsrahmen gibt in seinem Zentrum eine „Lichtung“ frei. Grafik: Keller Damm Kollegen / Prof. Helga Blocksdorf / Studio Miessen
  • w21-04_erinnerungsort_neuaubing_schnitte_keller_damm_kollegen.jpg Darstellung der Baracken im Kontext der erhaltenen oder ergänzten Bäume. Grafik: Keller Damm Kollegen / Prof. Helga Blocksdorf / Studio Miessen
  • w21-04_erinnerungsort_neuaubing_baum_konzept_keller_damm_kollegen.jpg Konzept mit zu erhaltenden, zu entfernenden und zu ergänzenden Bäumen. Grafik: Keller Damm Kollegen / Prof. Helga Blocksdorf / Studio Miessen
  • w21-04_erinnerungsort_neuaubing_beleuchtung_konzept_keller_damm_kollegen.jpg Beleuchtungskonzept über das gesamte Areal. Grafik: Keller Damm Kollegen / Prof. Helga Blocksdorf / Studio Miessen
  • w21-04_erinnerungsort_neuaubing_staedtebauliche_einbindung_keller_damm_kollegen.jpg Städtebauliche Einbindung des Erinnerungsorts. Grafik: Keller Damm Kollegen / Prof. Helga Blocksdorf / Studio Miessen

Keller Damm Kollegen GmbH
Landschaftsarchitekten Stadtplaner
Prof. Regine Keller, Franz Damm

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