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2. Preis bei Realisierungswettbewerb Neues Herz Gersthofen

Wettbewerbserfolg:
2. Platz für ein Neues Herz in Gersthofen | KulturKlimaPark
Bei der Neugestaltung des Zentrums, dem Herzen Gersthofens erhielt unser Beitrag den 2. Preis. Ein besonderer Fokus lag bei dem Konzept ‚KulturKlima‘Park’ auf der Berücksichtigung zukünftiger klimatischer Aspekte kombiniert mit kulturellen und freizeitlichen Nutzungen. Besondere Glückwünsche an unsere BearbeiterInnen Franz Damm, Lilian Terme, Silvia Heißenhuber, Regina Klinger und Laura Stoib.

Im Anschluss an die Vernissage am Mittwoch den 27. Juli 2022 werden alle eingereichten Arbeiten im Sitzungssaal des Rathauses, Rathhausplatz 1, 86368 Gersthofen bis einschließlich 02.09.2022 ausgestellt.

Ergebnis der Jurysitzung:
1. Preis
grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner partnerschaft mbb

2.Preis
Keller Damm Kollegen Landschaftsarchitekten · Stadtplaner

3. Preis
Schieferdecker Landschaftsarchitektur

Wettbewerbsaufgabe
»die Planung einer städtebauliche Neukonzeption für die Potenzialfläche und die nördlich angrenzenden privaten Flächen mit einer Größe von ca. 1,0 ha, sowie
»als Realisierungsteil die Planung der Freianlagen des Moduls A für die Fläche des neuen Stadtparks sowie die angrenzenden Teilbereiche der Schulstraße, Bahnhofstraße und der Donauwörther Straße mit einer Fläche von ca. 15.000 m2 und des Moduls B für die Fläche des Rathausplatzes mit ca. 5.700 m2, sowie
» als Ideenteil die Planung der Freianlagen des westlichen Teilabschnitts der Bahnhofstraße und des Vorbereichs der Stadtbücherei sowie der privaten Flächen nördlich des neuen Stadtparks mit einer Fläche von insgesamt ca. 9.700 m2.

Konzept
Im Rahmen der städtebaulichen Umstrukturierung des Rathausumfelds und des City Centers wird die ‚Potentialfläche‘ gegenüber dem Rathaus zu einem neuen Stadtpark umgestaltet. Auf umfangreiche städtebauliche Setzungen wird ganz bewusst verzichtet, die II+D und III+D hohen Gebäude stärken die nördliche Raumkante des neuen Stadtparks. In Anlehnung an den angrenzenden Bestand werden die Giebelständigkeit und die Arkaden an der Straße aufgenommen und so eine Einbindung in das Ortsbild erreicht. In der Erdgeschosszone beleben eine Kinderbertreuungseinrichtung und eine Galerie den Außenraum. In den oberen Geschossen bekommt die Volkshochschule Gersthofen neue Räumlichkeiten, darüber hinaus ist eine kulturelle Nutzung oder Raummiete denkbar.
Die Strasser-Villa bleibt unter neuer Nutzung erhalten und bespielt den Park als Café. Eingestreut in die Flaniermeile dienen Solitäre ähnlicher städtebaulicher Körnung als Kioskpavillon und Mobilitätspavillon mit Bushaltestelle.

Klimakonzept, Ökologie und Regenwasserbewirtschaftungskonzept
Im Rahmen des prognostizierten Klimawandels ist mit einer Häufung von extremen Wetterereignissen, wie langanhaltenden Trockenperioden und Starkregenereignissen, über die bis dato angenommenen Wahrscheinlichkeiten hinaus zu rechnen.Der Entwurf integriert aus diesem Grund die Idee eines “Schwammparks” mit strategischen Zonen zur Retention des Niederschlagswassers. Das Niederschlagswasser wird in Mulden dort gespeichert, wo es anfällt bzw. wird von Belagsflächen und Dächern gezielt dort hin geleitet und für die Vegetation verfügbar gemacht. Dezentrale Mulden begünstigen neben der Reduzierung des Abflusses nicht nur die Versickerung, sondern auch die Verdunstung. Der Schwammpark fördert den natürlichen Wasserkreislauf und erhöht die lokale Verdunstungskühlung. Baumrigolen versorgen die Baumstandort mit Wasser und stellen zusätzliches Retentionsvolumen zur Verfügung. Neben dem hohen Wert als Erholungsfreiraum bietet der neue Bürgerpark die Möglichkeit eine klimaresiliente Gestaltung zu etablieren. Konkret wird dies wie folgt umgesetzt:

  • Auffangen des Regen- und Schneeschmelzwassers und dessen unterirdische Zuführung in Baum-Rigolen.
  • Entsiegelung wo möglich, Kompensation der Oberflächenversiegelung durch Regenwasserbewirtschaftung.
  • Baumpflanzungen - kühlender Effekt der Bäume, Verbesserung des Mikroklimas.
  • Wassers als Gestaltungselement – Coolingeffekt.
  • Gestaltung Grünes Herz mit als Retentionsmulde nutzbarer Wiesenfläche.

Die Gestaltung des KulturKlimaParks und Rathausplatzes vereint eine zukunftsfähige, klimaangepasste Freianlagenplanung mit kulturellen, sozialen und gastronomischen Nutzungen und hat das Potential zum Neuen Herz von Gersthofen zu werden.

Beurteilung Preisgericht
Grundidee des Entwurfs ist die Schaffung einer grünen Mitte als „KulturKlimaPark“. Die Herausforderungen der Klimaanpassung werden in ein gestalterisches Gesamtkonzept überführt, Klimaresilienz wird zum tragenden Entwurfsgedanken.
Es gelingt den Verfasser:innen, die vielfältigen Nutzungswünsche der Ausloberin in ein schlüssiges Gesamtkonzept zu überführen. Für unterschiedliche Nutzergruppen werden Aufenthaltsqualitäten geschaffen, die zu jeder Jahreszeit und auch unabhängig von den Öffnungszeiten der Geschäfte zu einer Belebung der Mitte als Ort der Kommunikation und des sozialen Zusammenhalts beitragen. Es wird eine Zukunftsvorstellung für die Neucodierung der Stadtmitte mit klarer Haltung entwickelt.
Die Strasserv-Villa bildet dabei das Herz des neuen Klimaparks und gleichzeitig eine gelungene Schnittstelle zu den südlich angrenzenden Freibereichen. Die gewünschte Vernetzung der Stadträume gelingt gut, der Rathausplatz erfährt dabei eine deutliche Aufwertung, so dass eine Intensivierung der Fußgängerfrequenz zu erwarten ist.
Die Topografie wird gestalterisch eingesetzt, unterschiedliche Funktionsbereiche dadurch definiert und so für den Ort neue Qualitäten geschaffen. An den richtigen Stellen wird das Element Wasser eingesetzt.
Im Norden wird eine bauliche Setzung vorgeschlagen, die Ideen- und Realisierungsteil mit einbezieht. Ohne das nördliche Grundstück, das sich in privater Hand befindet, könnte nur der südliche Baukörper realisiert werden, allerdings als Grenzbau, was in der Umsetzung als sehr schwierig angesehen wird. An der Donauwörther Straße wird ein breiter Programmstreifen ausgebildet, was kontrovers diskutiert wird. Die baulichen Setzungen in Form von Kleinbauten an der Donauwörther Straße können noch nicht voll überzeugen. Die Funktionen sind zwar nachvollziehbar, in ihrer Dimension hinsichtlich der vorgeschlagenen Nutzungen jedoch zu hinterfragen. Die TG-Zufahrt in ein Gebäude zu integrieren wird als gute Lösung erachtet. Die Kulturweise liegt sehr gut platziert, sie bietet Möglichkeiten der flexiblen Bespielung. Es wird ein hohes Maß an unversiegelten Flächen vorgeschlagen, was begrüßt wird.
Von einer wirtschaftlichen Umsetzung und einem wirtschaftlichen Betrieb kann ausgegangen werden.

Hinsichtlich der Verkehrsführung bleiben Fragen offen, die Schließung der Bahnhofstraße für den MIV ist gestalterisch nicht klar erkennbar, was kritisiert wird. Problematisch zu sehen ist die Begrünung im Westen des Rathausplatzes, die mit den zwingend notwendigen Feuerwehraufstellflächen nicht in Einklang zu bringen ist.
Für die Themenstellung wird eine eigenständige, überzeugende Antwort gefunden. Im Ergebnis entsteht eine multifunktionale grüne Mitte mit großen Aufenthaltsqualitäten und breit gefächerten Nutzungsmöglichkeiten für unterschiedliche Zielgruppen und Formate. Die grüne Mitte eignet sich gut für die gewünschten Sonderveranstaltungen, ebenso beweist sie ein hohes Maß an Alltagstauglichkeit.
Kritisch gesehen wird, dass die Qualitäten des neuen Stadtraums zwar strukturell gut umrissen werden, allerdings die Frage offen bleibt, wie sie sich vor dem Hintergrund eines gestalterischen Gesamtkonzeptes tatsächlich in der Umsetzung materialisieren und ausgestalten lassen, beispielsweise in Bezug auf die Biodiversität und Möblierung der Nutzungsbereiche.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Thema „Grüne Mitte“ zum neuen Markenzeichen einer klimaresilienten Innenstadt Gersthofen wird, die sich als soziale und kulturelle Mitte versteht, bei der der öffentliche Raum die Hauptrolle spielt.

  • Platzierung:

    2. Preis

  • Ort:

    Gersthofen Stadtmitte

  • Entscheidung:

    07/2022

  • Ausloberin:

    Stadt Gersthofen

  • Bearbeitung:

    Franz Damm, Lilian Terme, Regina Klinger und Laura Stoib

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Keller Damm Kollegen GmbH
Landschaftsarchitekten Stadtplaner
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