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Neugestaltung Max-Frisch-Platz in Zürich

Freiraumplanerischer Projektwettbewerb

Der Bahnhof Oerlikon stellt, gemeinsam mit den hier ankommenden Tram- und Buslinien, die wichtigste öffentliche Verkehrsverbindung in das Stadtquartier Neu-Oerlikon dar. Mit seinem Ausgang Oerlikon-Nord bildet der Bahnhof den zentralen Erschließungsknoten am Max-Frisch-Platz. Zahlreiche Bewegungsrichtungen aus den unterschiedlichen Verkehrsmitteln kreuzen hier. So hat der Platz eine hohe Bedeutung als Ankunfts- und Abfahrtsort im neuen Stadtquartier. Zug, Bus, Fahrrad und Fußgänger werden klar zoniert und parallel über den Platz geführt.

Für die Gestaltung der neuen Überdachungen der Bushaltestellen, Fahrradabstellplätze und des Vordachs der AXA Winterthur, wird die lineare und kubische Struktur der bereits geplanten Überdachungen aufgegriffen. Der durchscheinenden orangefarbenen Bahnhofsüberdachung werden himbeerfarbene transluzente Überdachungen auf dem Platz hinzu gesellt. Die Konstruktion der Wartebereichsdächer ist körperhaft. Kräftige Stützen tragen die leichten durchscheinenden Dächer und bieten gleichzeitig Raum für die Sitzgelegenheiten, Fahrgastinformation, Ticketautomaten und Werbeflächen. Diese sind quer zum Platz angeordnet und machen so Sichtbeziehungen sowohl zu den Verkehrsmitteln als auch zum Geschehen auf dem Platz möglich.

Die Konzentration der beiden gegenüberliegenden Busüberdachungen im östlichen Platzbereich entzerrt die Wartesituation unmittelbar vor dem Ausgang der Quartiersverbindung, schafft eine breitere Querung der Fahrbahn und bessere Quartiersverbindung. Die Grünstruktur aus den Seitenstraßen wird bis zu den Platzrändern im Osten und Westen fortgesetzt. Winterlinden (Tilia cordata) rahmen und fassen den Platz. Der Max-Frisch-Platz selbst erhält eine Gruppe aus drei Trompetenbäumen (Catalpa bignonioides), die mit ihren großen Blättern angenehmen Schatten spenden und im Sommer mit ihren großen weißen, glockigen Blüten begeistern.

Auf der Suche nach Identität
Entlang dem nördlichen Neubau und parallel zu den Gleisen verläuft ein 2,6 m breites und 130 m langes Wasserbecken mit einer Tiefe von 2 cm. Platzfläche und Becken sind mit demselben anthrazitfarbenen, in Bändern geschnittenen Basaltstein ausgelegt, wobei sich die Wasseroberfläche glänzend von dem ansonsten matten Bodenbelag hervorhebt. Im Wasserbecken erstrahlt in hellen Lettern der Satz "Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er dann für sein Leben hält".

Er ist dem Roman „Mein Name sei Gantenbein" von Max Frisch entnommen. Die Buchstaben sind aus weißem Quarzit gefertigt und heben sich stark vom dunklen Untergrund ab. Die Schrifttype wird dem mit Schreibmaschine getippten Original-Manuskript des Autors entnommen. Die einzelnen Buchstaben sind auf den Beckenboden gesetzt und ragen minimal aus dem Wasser. Sie sind begehbar und ermöglichen die Überquerung des Wassers trockenen Fußes an nahezu jeder beliebigen Stelle.

Auf der Suche Max Frischs nach seiner eigenen Identität durchlebte er auch die des Architekten bevor er zum Schriftsteller wurde. Mit dem in den Platz eingelassenen Wasserbecken wird auf das einzige realisierte Bauwerk Max Frischs verwiesen, auf das Schwimmbad Letzigraben in Zürich. Zugleich wird die Wasseroberfläche zum Spiegel, zur Reflexionsfläche der eigenen Person. So verwandelt sich hier die Referenz auf das architektonische Werk zu einer Metapher seines literarischen Oeuvres.

Die Möblierung des Platzes besteht aus für diesen Ort entworfenen weißen Aluminiumstühlen. Sie überlassen dem Nutzer die Wahl seines Sitzplatzes, schaffen Flexibilität und jeder Nutzer hinterlässt seine eigene Geschichte.

Die Beleuchtung des Platzes erfolgt zum einen über die farbigen Dächer der Bushaltestellen und den orangefarbenen Aufsatz der Quartiersverbindung. Sie setzen Zeichen und bilden die Marke Max-Frisch-Platz auch nachts aus. Mastleuchten in ähnlicher Formensprache zum südlichen Bahnhofsplatz leuchten entlang der Fahrbahn. In den Quartiersstraßen stehen die typischen Züricher Quartiersleuchten „Minilux".

Hörstationen sind in den Bushaltestellen und in den vier Buslinien installiert. Hier kann man einen Teil der Texte des Schriftstellers während der Wartezeit und der Busfahrt hören. Die Auswahl der Texte wird in Absprache mit dem Max-Frisch-Archiv getroffen werden. Die Hörstationen für die Busse sind nicht dauerhaft fest installiert sondern abnehmbar, so dass sie in andere Busse umgesteckt werden können. Die Hörstationen sind mit einem einfach zu bedienenden Audioguidesystem ausgestattet.

  • Ort:

    Zürich, Schweiz

  • Auslober:

    Tiefbau und Entsorgungsdepartement

  • Zeitraum:

    2009

  • Platzierung:

    Teilnehmer

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